Etwas über den "Macher" dieser Homepage

geb. September 1958, Realschulabschluss, Ausbildung zum Kfz-Mech, 4 Jahre Soldat auf Zeit (Heer), danach tätig als Industriearbeiter (VW-Werk), Kfz-Mech, Betriebsschlosser, Bohrarbeiter (Onshore), Maschinenbauer, Schweisser, Musiker und Roadie, Künstlerbetreuer, Trockenbauer, div. Kleinjobs, heute Gemeindearbeiter.

Hobbies: Musik, Irish Folk, spiele Gitarre, Irische Bouzouki, Bodhrán und Tin-Whistle, Liegeradfahren, Computer, Natur, Fotografieren, lesen, Astronomie, SETI@home, Feuerwehr, basteln+heimwerken.

Meine Geschichte beginnt in den 70er Jahren.
Irgendwann gegen Ende meiner Schulzeit begann ich mehr zu trinken als mir gut tat. Ich kann mich an einen Nachmittag erinnern, an dem ich mit einem Freund eine Carrera-Bahn aufbaute und die verdreckten Stromschienen erst mit Brennspiritus gereinigt werden mussten. Zum Schluss mixten wir Spiritus mit Tritop-Fruchtsaft und spülten das Zeug mit Bier herunter.
Ich trank damals wohl bis zu einem Liter Bier wochentags, am Wochenende entsprechend mehr.
Später in der Lehre wurde es dann mehr und ich weiss noch, dass wir zu zweit  morgens vor der Gesellenprüfung einen 10er Pack Bier leerten. Das war schon nicht normal aber ich war ja auch etwas ganz Besonderes.
Dann ging ich für vier Jahre zum Bund und da startete ich richtig durch. Die Preise in den Mannschaftsheimen sind unschlagbar günstig, ich hatte viel Zeit und Gelegenheit meinem Laster zu frönen.Getrunken wurde in den Einheiten überall und so fiel ich auch nicht weiter auf.
Am Entlassungstag, dem 22.12.1982 wurde morgens mein Sohn geboren und ich begann eine einwöchige Party. Als ich Frau und Kind dann zwischendurch aus dem Krankenhaus abholte, musste zu Hause erstmal die vom Fruchtwasser durchnässte Bettwäsche gewechselt werden, ich hatte die Woche davor einfach keine Zeit dafür. Wie ich auch keine Zeit für meine junge Familie hatte. Ich war arbeitslos, trank und hatte ausser Spinnereien keine Eigeninitiativen auf Lager. Nach vier Jahren Befehl und Gehorsam musste ich erst lernen selbst die Verantwortung zu übernehmen und bin total gescheitert.
Nach der Scheidung stürzte ich eine neue Ehe binnen drei Jahren ins Unglück.
Im Sommer 1988 hatte ich dann endlich einen Zusammenbruch und ging zur Entgiftung. Dort fanden Informationsveranstaltungen statt über den Verlauf des Alkoholismus und die verschiedenen Phasen. Anhand der Jellineck´schen Kurve stellte ich schockiert fest, dass ich kurz vorm endgültigen Abdrehen war.
Es ging dann alles ziemlich rasch und schon war ich in einer stationären 6-Monats Therapie und blieb dann auch für vier Jahre trocken. Die erste Zeit besuchte ich auch eine Gruppe, dann zog ich um und liess das einschlafen.
Im Oktober 1992 wurde ich rückfällig und ich nervte nochmal für sechs elende Jahre als saufender Besserwisser meine Umwelt.

 

Dann lernte ich meine heutige Partnerin kennen und eines Tages war es natürlich soweit, dass sie mir auch die Pistole an die Brust setzte, also entweder was machen oder sie verlässt mich. Nun, die Nummer wollte ich nicht noch einmal erleben. Ich entgiftete und machte eine stationäre 3 Monate dauernde Therapie von der ich besoffen nach Hause kam. Meine Partnerin war zu der Zeit wegen einer OP in Berlin und ich trank heimlich wieder. Es war natürlich eine herbe Enttäuschung für sie.
Dann bekam sie die Adresse einer Selbsthilfegruppe hier in der Nähe heraus und sie wollte da unbedingt mit mir hin. Tatsächlich habe ich sie dahin gebracht und wieder abgeholt - ich war zu feige selbst zu gehen!
Als sie dann zu mir sprach, klang ihre Stimme total anders als noch zwei Stunden zuvor. "Wenn Du nächste Woche nicht mitkommst ist Schluss", sagte sie zu mir. Diesen Ton und die Art und Weise wie sie das sagte, machten mir sofort klar, das es diesmal entgültig eine Entscheidung zu treffen galt.
Mit klopfendem Herzen ging ich zur Schlachtbank und wollte denen wenigsten ein bis zwei Bier am Tag abhandeln - Pustekuchen, nix da! Ich war sofort bis auf die Knochen durchschaut und zappelte bestimmt wie ein Aal aber sie hatten mich und meine Partnerin war aufgeklärt. Nun lag es an mir. Ich wollte nicht mehr saufen müssen aber ein Leben ohne diesen angedröhnten Kopf konnte ich mir echt nicht vorstellen. Dabei hatte ich es doch schon einmal schaffen dürfen aber das war vergessen.
Es ist ein langwieriges und mühsames Unternehmen, den Sprit aus dem Kopf zu kriegen und ohne meine Gruppe hätte ich es wohl nie mehr geschafft trocken zu werden und zu bleiben.
Heute kann ich mir ein Leben ohne Selbsthilfegruppe gar nicht vorstellen, etwas würde fehlen. Wie wichtig regelmässige Gruppenbesuche sind, zeigt mir leider die Anzahl der Rückfälligen die anfangs noch kamen und dann nach und nach grössere Pausen einlegten bis die Initiative zum Besuch der Gruppe weg war.
Seit meinem zweiten Gruppenbesuch bin ich trocken und habe zu einem neuen Leben gefunden. Das Leben besteht nun nicht aus eitel Sonnenschein aber selbst verregnete Tage haben ihren Sinn.

Ich arbeite als Gemeindearbeiter in meinem Wohnort, bei Lüneburg. Seit Juni 2000 bin ich Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. Ich hatte bis heute noch keine Probleme bezüglich Alkohol/Feuerwehr und den Kameraden. Im Gegenteil, so manche leise Frage konnte ich schon beantworten. Sollte nur ein einziger Kamerad deswegen vor Schlimmeren bewahrt werden, war es die Sache wert. Aber deswegen bin ich kein Feuerwehrmann geworden. Für mich ist dies eine sinnvolle, gemeinnützige Beschäftigung und hilft mir ungemein bei der Integrierung in die Dorfgemeinschaft. Dass ich in einer Selbsthilfegruppe mitarbeite wird auch geachtet. Wenn ich offen und frei von mir erzählen kann, verdanke ich das nur dem Vertrauen welches mir entgegen gebracht wird. Und wer nichts zu verbergen hat, braucht auch nichts zu fürchten. 

Darüberhinaus habe ich mich zum ehrenamtlichen Suchtkrankenhelfer und Gruppenleiter für Selbsthilfegruppen weitergebildet, durfte ein Rückfallprophylaxe-Seminar besuchen und bin in "Motivational Interviewing" geschult. (Eine spezielle Technik für Einzelgespräche).

Rege Teilnahme an Fachseminaren und Schulungen, meine Mitarbeit im Helferkreis der Lüneburger Drogenberatungsstelle "Drobs" und beim Arbeitskreis Sucht in Uelzen ermöglichen es mir kompetent und qualifiziert zu arbeiten.

Für die finanzielle Unterstützung bei den entstandenen Kosten danke ich allen Sponsoren.

Im Namen der beiden Selbsthilfegruppen bedanke ich mich bei den Kirchenvorständen sowie Pastorin Dr. Dieckow und Pastor Bade für die uns zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten und die Unterstützung unserer ehrenamtlichen Arbeit.

Ulf-Michael Matthees

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